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Braukunst-Live 2015 – Quo Vadis?

Es ist wieder soweit, die Braukunst-Live öffnet vom 6. bis 8. März wieder ihre Pforten – erneut (vielleicht zum letzten mal) an der altbekannten Location im MVG-Museum in München. Der Besucher wird sich wieder an einer Fülle an Ausstellern erfreuen dürfen- angefangen bei alten und bekannten Größen wie Braufactum, Schneider-Weisse oder Lammsbräu bis hin zu Neulingen wie z.B. Braukraft, die Bierzauberei, Craftwerk, Tilmans Biere und noch viele andere. Auch an Bieren wird von Gose über IPA bis hin zu fassgelagerten Stouts wieder alles dabei sein, was das Herz (oder der Magen) begehrt. Auch an den Kritikpunkten der vergangenen Jahre wie z.B. die Toilettensituation oder auch die mangelnde Zeit für Fachbesucher wurde gearbeitet. Man darf sich also – wieder einmal – auf die wohl führende Biermesse Deutschlands freuen – oder?

Irgendwie hat bloggen ja durchaus auch einen journalistischen Teil weshalb ich es jetzt nicht dabei belassen möchte, einfach nur die im Vorfeld rumgereichte Pressemitteilung mit meinen eigenen Worten hier online zu stellen sondern möchte diese Stelle nutzen, um von der aktuellen Craftbeer-Situation in Deutschland ein paar Rückschlüsse auf das Festival zu ziehen.

An die großen Premium Partner wie Pilsner Urquell oder Hofbräuhaus mit ihren recht ausladenden Ständen hat man sich ja mittlerweile gewohnt (auch wenn der Besucherandrang – respektive des Ausbleiben des solchen – im Gegensatz zu anderen Ständen immer Bände sprach). Auch, dass die Aussteller rotieren ist für eine Messe/Festival (ja was denn eigentlich) nichts ungewöhnliches – im Gegenteil, kann man sich so ja auch auf immer neue und andere, spannende Biere freuen. Jedoch hört man, wie schon die Jahre davor auch, so einiges im Vorfeld.

Es werden wohl einige bekannte Gesichter der deutschen Craftbeer-Szene dieses Jahr höchstens noch vor den Ständen im Getümmel zu finden sein als hinter selbigen. Dafür werden andere, die das Jahr davor noch recht – sagen wir “rebellisch” – aufgetreten sind, dieses Jahr (wieder) einen eigenen Stand haben und auch wird es mehr Craft-Ableger großer, etablierter Brauereien geben. Dazu kommen auch weitere Vertreter von US-Brauereien, sei es Urban Chestnut (die ja gerade in Wolnzach ihren Deutschland-Ableger aufbauen) oder auch andere die z.B. am neuen Stand von Bier-Deluxe auftauchen werden.

Alles an sich natürlich kein Grund zur Panik, jedoch spiegelt diese Entwicklung sehr schön die Entwicklung in der noch sehr jungen, deutschen Craftbeer-Szene wieder. Craftbeer wurde und wird gerade als Markt entdeckt. Es werden Vertriebspartnerschaften zwischen kommerziellen Größen und Gypsy-Braueren geschlossen. Etablierte und mittlerweile große Craft-Brauer wie auch ausländische Hersteller (dabei stehen derzeit US-Brauer im Vordergrund) drücken sich in die Regale der deutschen (Bier)händler und werden – über kurz oder lang – kleinere und unbekannte Biere mancherorts verdrängen. Zwangsläufig. Warum? Nun, massenkompatible Craftbeere (und ja, davon gibt es eine ganze Menge) lassen sich einfach abverkaufen – genau so wie bekannte Marken. Warum sollte ich mir unbekannte Biere in den Kiosk stellen wenn ich Biere bekannter Labels dank der Nachfragen nach eben diesen viel besser verkauft kriege?

Ebenso wenig besteht ein Zweifel daran, dass Craftbeer Mainstream wird – eine Entwicklung, die sich noch vor 2 Jahren einige von uns gewünscht haben und nun doch wieder sehr kritisch beäugt wird. Was wurde noch vor Jahren gejubelt, wenn irgendwo ein Hopfenstopfer Citra Ale aufgetaucht ist, während heutzutage mittlerweile schon in den PrimeTime-“Nachrichten” im Privatfernsehen über die “neuen Craftbiere” berichtet wird und man höchstens noch die Nase darüber rümpft, dass es sich hierbei um Braufactum handelt und nicht den kleinen, sympathischen Biersieder von nebenan. All das muss man dann wieder in einen Bezug zur BKL setzen. Wird Craftbeer Mainstream, so wird es auch die Messe sein (ok, für manch einen von euch ist die BKL das schon seit Anbeginn) – schließlich möchte man mit den beliebten Bieren ja auch viele Fans erreichen um letztendlich auch das Festival sicher finanzieren zu können. Ich gehe natürlich davon aus, dass es auch in Zukunft Stände kleiner Brauer geben wird, ich gehe aber ebenfalls davon aus, dass das Gros der Aussteller über kurz oder lang große, bekannte Marken sein werden die sich aus den kleinen Anfängen entwickelt haben. Gut für die Brauer (oder Marketing-Firma hinter dem Namen), gut für die Messe, gut für den Konsumenten – aber wird es auch gut genug für den “Aficionado” und die Bierkultur sein? Man weiß es nicht.

Quo vadis? Kleine Craftbeer Marke oder eine große? Kleiner Brauer oder große Firma? Regionale/Nationale Messe oder Internationales Festival? Wo die Reise schlussendlich hingeht, wird niemand sagen können – ich bin mir aber sicher, dass 2015 ein sehr spannendes und interessantes Jahr für die Craftbeer-Bewegung sein wird und letztendlich auch den Weg der zukünftigen Braukunst-Live aufweisen wird.

Auf ein schönes Festival!

 

Fotos und Rückblicke zu den letzten Jahren:

 

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To Øl Goliat Imperial Stout

to_ol_goliat_imperial_stoutAnders als viele anderen Biere – gerade aus der Craftbeer Ecke – wirkt das Etikett des Goliat von To Øl aus Dänemark sehr aufgeräumt. Dabei handelt es sich um einen Imperial Coffee Stout mit zweistelligen Alkoholgehalt dem auch tatsächlich echter Kaffee zugesetzt wurde. Bevor die Reinheitsgebots-Verfechter nun aufstöhnen würde ich empfehlen, vorher erst den folgenden Test zu lesen…

Auch wenn der Goliat mit seiner Optik – nachtschwarz und getoppt mit cremigen, bräunlichen Schaum – durchaus wie ein normaler Imperial Stout aussieht, so verrät doch die Nase, dass der Geschmack in eine etwas andere Richtung gehen wird. Recht alkoholisch geht es im Geruch zu, starke Kaffeearomen sowie etwas Vanille liegen in der Nase – andere Röstnoten sind aber kaum wahrnehmbar.

Der erste Schluck…zu Beginn an gleich recht herb, leicht angesäuerte Kaffeenoten mit etwas Zartbitterschokolade und Holz dominieren das Aroma des durchschnittlich karbonisierten Bieres. Eine verhaltende Süße kommt auch dazu, etwas, leicht verbrannt schmeckendes Karamell ist zum aufkommenden Abgang hin bemerkbar. Dort tummeln sich auch vereinzelt Hopfennoten, außerdem kommt die Herbe auch noch etwas stärker zur Geltung.

to_ol_goliat_imperial_stout_flascheDas Mundgefühl des ölig wirkenden Gebräus geht in Ordnung, obgleich ich da auch schon bessere Stouts hatte. Die im Trinkverlauf herausstechende, süße Kaffeenote ist ganz nett, vermag mich aber nicht aber vollends zu begeistern. Über die Trinkbarkeit kann man sich aber nicht beschweren, weiß das Bier seinen Alkoholgehalt recht zu zu verschleiern.

Licht und Schatten für diesen Imperial Stout. Verglichen mit anderen Bieren dieses Kalibers fehlt es mir an Geschmack und die leichte Säure muss ich nicht haben. Daher schrammt der dänische Goliat knapp an den vier Sternen vorbei und bekommt derer drei.

Alkoholgehalt: 10,1%

(3/5)




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Robens Sink the Fish IIPA

robens_sink_the_fish_iipaEtwas südlich von Hannover liegt der kleine Ort Springe woher mein heutiges Testbier kommt, das Sink the Fish Imperial IPA von Robens. An Hopfensorten finden sich Amarillo, Simcoe und Warrior in diesem starken, obergärigen Bier. Gehört habe ich von der kleinen Manufaktur bisher noch nichts was nun aber nichts heissen muss – dahingehend geht mein Dank an den Kollegen von Bierzeit der mir da ein paar Kostproben geschickt hat.

Etwas dunkel ist das IPA schon, dennoch macht es mit seinem kastanienbraunen Anstrich und der fehlenden Trübung eine gute Figur. Dazu gesellt sich ein cremig-feinporiger, leicht bräunlich eingefärbter Schaum unter dem es angenehm fruchtig duftet. Im Geruch finden sich Grapefruit, Limette sowie Pflaumen und dunklen Früchten.

Der Antrunk zeigt sich extrem komplex und offenbart, was ich mir schon bei Aussehen und Geruch dachte. Das süße Malzbett zeigt sich sehr intensiv, Honig und Karamell soweit das Auge (oder die Zunge) reicht – schwere Kost. Dazu kommen die fruchtigen Hopfenaromen die sich aber eher begleitend der Süße anschließen als herausragende Akzente zu setzen. Dabei sind es vor allem die Aromen von dunklen Früchten die den Hopfengeschmack bestimmen – ich komme beim besten Willen nicht von der Pflaume weg.

robens_sink_the_fish_iipa_flascheDabei präsentiert sich das sehr süße Malz sehr weich und vollmundig wobei die 90 Bittereinheiten im Abgang durchaus zu spüren sind. Auch wenn es durchaus Charakterzüge eines Double bzw. Imperial IPA hat, geht das Bier bei mir eher als Barley Wine durch – zu stark das honigsüße Malz und zu schwach die Hopfenaromatik. Dafür wirkt es aber sehr gut ausbalanciert, hat eine wirklich tolle Karbonisierung und ist, trotz des Alkoholgehalt den man zeitweise auch merkt, sehr flott trinkbar.

Nein, für mich ist das kein Double IPA. Davon abgesehen ist das Sink the Fish ein richtig leckeres Gebräu an dem man sonst nicht allzu viel aussetzen kann – Lecker! Vier Sterne!

IBU: 90

Stammwürze: 23%

Alkoholgehalt: 9,5%

(4/5)




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Ammerndorfer Landbier Dunkel

ammerndorfer_landbier_dunkelHeute geht es in das fränkische Ammerndorf – geographisch ein paar Kilometer westlich von Nürnberg gelegen – und dort genauer gesagt zum Dorn-Bräu. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Brauerei im Jahre 1505, seit 1730 befindet sie sich im Familienbesitz (immerhin auch schon über 280 Jahre). Vorstellen möchte ich euch aus der durchaus größeren Bierpalette nun das dunkle Landbier welches gerade seinen Weg ins Glas findet.

Klar und kupferfarben zeigt sich das Landbier, gekrönt mit cremig-feinen, weißlich-beigen Schaum der eine gute Standfestigkeit beweist. In der Nase liegen süßliche sowie leicht röstige Malznoten und ein Hauch Hopfen.

Vollmundig und feinmalzig zeigt sich der erste Schluck. Brotiges sowie karamelliges Malz liegt auf den Geschmacksknospen, etwas Süße und Toffee sowie etwas geröstetes Weißbrot kommen dazu – gar nicht schlecht. Etwas Herbe kommt zum Abgang hin dazu ohne das Bier dabei im Hals zu trocken wirken zu lassen. Passt.

ammerndorfer_landbier_dunkel_flascheDank des feinen Mundgefühls und der gut ausbalancierten Karbonisierung gibt sich das Gebräu sehr süffig. Dabei bleibt die Süße im Rahmen, es dominiert mehr der leicht gehopfte Malzgeschmack und selbiger bleibt auch bis zum Schluss.

Manchmal muss man gar nicht viel schreiben, dieses Bier ist ein typisches fränkisches Landbier mit malzig-süffigen Charakter und echt lecker. Für mich sind das (wenn auch sehr knapp) vier Sterne.

Stammwürze: 13,6%

Alkoholgehalt: 5,6%

(4/5)




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Evil Twin Yin

evil_twin_yinEigentlich kommt Jeppe Jarnit-Bjergsø, der Mann hinter Evil Twin, aus Dänemark, braut aber in diversen Brauereien rund um den Globus. Mein heutiges Testbier, das “Yin”, wurde bei Two Roads Brewing in den USA gebraut und hat daher auch schon ein paar Kilometer auf dem Buckel bis es den Weg in meinen Keller fand. Ich kann euch gar nicht sagen, wie ich mich auf den nun folgenden Test dieses Imperial Stouts freue…

Traumhaft wie das aussieht, brauner sowie cremiger Schaum steht absolut stabil auf dem schwarzen Gebräu. Dabei emittiert es einen malzigen, schokoladigen und röstaromatischen Geruch der zudem mit leichten Toffee- und Raucharomen gespickt ist.

Das samtig-weiche sowie recht dickflüssige Bier läuft langsam über die Zunge, Aromen von Zartbitterschokolade und Kaffee sind vordergründig schmeckbar. Flankiert werden die Röstaromen von etwas Sahnekaramell und moderatiger, honigartiger Süße. Auch Anklänge von dunklen Früchten sind ganz leicht erkennbar, Cassis und Kirsche sind da genannt und bringen etwas Schwung in das doch recht schwer wirkende Gebräu.

evil_twin_yin_flascheIm Abgang kommt die Herbe stärker zur Geltung, jedoch hält sich das süßliche Röstmalzaroma bis lang nach dem Schlucken und sorgt somit für dauerhafte, geschmackliche Dominanz. Trotz des ordentlichen und auch schmeckbaren Alkoholgehalts ist dieser Imperial Stout enorm süffig und es ist beinahe beängstigend wie schnell sich das Glas leert.  Passend dazu ist auch die Kohlensäure dosiert – ein wahnsinnig gut trinkbares Bier.

Alles in allem schrammt das wunderbar ausbalancierte Yin von Evil Twin an der Höchstwertung vorbei, hätte die Malzaromatik durchaus noch etwas stärker ausfallen können. Dennoch sind das richtig gute vier Sterne.

Alkoholgehalt: 10%

(4/5)




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Rieder India Pale Ale

rieder_ipaAus dem österreichischen Ried im Innkreis hat mich das India Pale Ale der Brauerei Rieder erreicht. Nun gut, “erreicht” heisst in diesem Fall, dass es Bestandteil des Bieradventskalenders war, und, nachdem ich das Bier vor etwas einem Jahr schonmal getrunken habe, werde ich es euch heute mal richtig vorstellen.

Frisch nach Mango, Maracuja und Litschi duftet es aus dem Glas in dem es sich das trübe, bernstein- bis kupferfarbene Bier mit seinem leicht gelblich, cremig-feinen Schaum gemütlich gemacht hat. Vorfreude.

Der erste Schluck wirkt sehr fein und erzeugt ein cremiges Mundgefühl, recht munter marschieren die fruchtigen Hopfenaromen, nebst einer ordentlichen Herbe, über die Zunge und hinterlassen dort den Geschmack von Limetten und Ananas. Dazu gesellt sich (wiedermal) ein recht starker, süßlicher Malzkörper mit einer guten Portion Karamell und etwas Brot. Vielleicht ist das aber ganz gut, denn im etwas trockeneren Abgang wirkt mir der Hopfen etwas zu parfümartig und beinahe seifig – die Fruchtaromen bleiben aber erhalten.

rieder_ipa_flascheAuch im Trinkverlauf erweist sich die Bittere dieses IPAs als sehr gut balanciert und weiß so zwischen Hopfenaromen und Malzbett zu vermitteln. Der frische Fruchtgeschmack lässt in dem recht rezenten Bier mit der Zeit etwas nach, es geht dann etwas kräuterartiger zu was mir nicht ganz so gut gefällt.

Ein Überflieger ist das österreichische IPA zwar nicht, hat aber eine fein-fruchtige Hopfennase und wirkt, alles in allem, gut trinkbar. Drei Sterne.

Alkoholgehalt: 6%

(3/5)




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Hoppebräu Vogelwuid IPA

hoppebraeu_vogelwuid_ipaNachdem ich ja vor geraumer Zeit das Erstlingswerk vom Hoppebräu aus Waakirchen im Test hatte und er gerade erst sein neues Amber Ale gelaunched hat, ziehe ich heute erstmal mit seinem IPA nach. Daher kommt das, von den Werten eher eher mildherbe India Pale Ale, in einer sog. Gourmet-Flasche die man eher selten sieht…

Strahlend, gelblich-golden steht das India Pale Ale im Glas, oben auf ordentlich feinporig bis cremiger Schaum welcher einen stabilen Eindruck macht. Im Geruch zeigen sich florale Aromen, tropische Früchte von Mango und Passionsfrucht sowie auch etwas süßliches, leicht getreidiges Malz.

Der Antrunk ist feinmalzig und karamellig-süß mit einer ordentlichen Portion Kandis und einer eher niedrig dosierten Herbe. Die im Geruch vorhandenen Aromen kommen nur zögerlich aus der Deckung, zum Abgang hin intensivieren sie sich allerdings und man darf sich an einem starken tropischen Mango-Geschmack erfreuen der sich mit der Kandis-Honig-Süße einen Kampf um die geschmackliche Vorherrschaft liefert.

hoppebraeu_vogelwuid_ipa_flascheIm Abgang wirds dann auch etwas trockener was dem Bier durchaus gut tut, der grasig-blumige und fruchtige Hopfen bleibt dabei im Trinkverlauf erhalten. Dennoch muss man sagen, dass der Körper des sehr süffigen Gebräus etwas zu wuchtig und stark ist bzw. dass die Hopfung gegen die süßliche Schwere nicht dauerhaft ankommen kann. Das macht dieses IPA mehr zu etwas für Einsteiger, diese werden dann aber mit einem leicht herb-fruchtigen und sehr gut trinkbaren Bier belohnt.

Etwas zu süß und die Herbe geht mit etwas ab, dennoch aber lecker, süffig und wiedertrinkenswert. Nach einigen hin und her entscheide ich mich heute für vier Sterne.

IBU: 46

Alkoholgehalt: 6,5%

(4/5)




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St. Erhard Saison

st_erhard_saisonVom neuen Saison von St. Erhard aus Bamberg liest man in den letzten Tagen des Öfteren etwas, Grund genug sich das Bier mal etwas genauer anzusehen. Saison-Biere – man kennt sie auch unter dem Begriff Farmhouse Ale – sind im Mutterland der Craftbeerbewegung seit längerem im Kommen (respektive etabliert) und schaffen es auch mehr und mehr zu uns. Na dann schauen wir dochmal, was die kleine Flasche so in sich hat.

Kupfer- bis fuchsbraun präsentiert sich das trübe Bier im Glas und bildet einen bräunlich-weißen, feinporigen Schaum aus welcher allerdings nicht sehr standfest ist. In der Nase liegen fruchtig-hefige Nuancen von Steinfrüchten, Kirschen sowie etwas Honig und Karamell.

Der Antrunk gibt sich prickelnd malzig, Haselnüsse, Honig und Karamell laufen über die Zunge und werden von fruchtigen Hefenoten von Aprikosen und Birnen begleitet. Recht vollmundig und würzig-getreidig präsentiert sich das Malz dabei und wird von einem Hauch Herbe begleitet die zum Abgang hin etwas stärker wird und zu einem fruchtig-trocken-hopfigen Ausklang führt.

st_erhard_saison_flascheVier Hopfensorten haben ihren Weg in das Bier gefunden, Hallertauer-Tradition und -Blanc sowie Nelson Sauvin und Mosaic heissen sie und dem Hopfenkenner ist somit auch klar, dass man es mit Blanc und Mosaic mit noch relativ unbekannten Sorten zu tun hat. Etwas mehr Bittere hätte dem Bier zwar gut getan, doch kommt das feine Hopfenspiel inmitten des ganz leicht säuernden Malzbetts gut hervor und ich bilde mir ein, den Mosaic etwas herauszuschmecken. Ganz klar dabei sind aber auch die bei einem Saison obligatorischen Hefearomen die jeden Schluck des Gebräus sehr fein abrunden.

Ein durchaus leckeres Bier haben die Bamberger hier auf die Beine gestellt dem es etwas an Herbe fehlt und dessen Süße im Malz etwas zu ausgeprägt ist. Dennoch reicht das heute im Test für vier Sterne!

Wollt ihr das St. Erhard Saison probieren? Hier könnt ihr es bestellen.

Alkoholgehalt: 6,5%

(4/5)




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Mikkeller Big Worster

mikkeller_big_worsterZwischen den Jahren kann man sich auch mal einen Barley Wine gönnen. Ausgesucht habe ich mir den Big Worster von Mikkeller aus Dänemark, eine Malzbombe mit flotten 16,5 Volumenprozent Alkohol. Über den großen Mann hinter Mikkeller findet ihr übrigens hier eine interessante, kleine Dokumentation. Jetzt aber zum Bier…

Anders als erwartet wird man von diesem Barley Wine mit einem säuerlichen Duft begrüßt der erst nach einem Moment floral-malzigen Noten weicht, auch Kräuter und etwas Menthol sind dabei. In der Optik gibt es keine Überraschungen, trüb, golden bis bernsteinfarben mit ein wenig weißen Schaum oben auf.

Anders als einen der Duft glauben machen will, fällt der erste Schluck sehr wuchtig aus. Beinahe likörartig läuft das honigsüße und malzgeschwängerte Bier über die prickelnde Zunge, es geht alkoholisch zu mit einer feinen Säure. Zum Abgang hin kommen fruchtige Nuancen aus, etwas Orangenschale und Apfel sind schmeckbar bevor sich das Bier erstaunlich schnell den Rachen hinab verabschiedet.

mikkeller_big_worster_flascheErstmal durchatmen! Ein sehr komplexes Bier mit erstaunlich guter Trinkbarkeit und angenehmer Karbonisierung. Der wärmende Alkohol sorgt für ein wohliges Gefühl im Bauch, das Brennen auf der Zunge bleibt bis zum Schluss erhalten. Ein wenig sehr süß ist dieser malzige Trunk schon und könnte in meinen Augen etwas mehr Hopfen vertragen, nichts desto trotz sehr interessant und vor allem eines: Lecker.

Komplex, süß und alkoholisch – das Big Worster weiß zu gefallen und beweist lediglich in der B-Note vereinzelte Schwächen. Von mir gibt es heute vier Sterne.

Falls ihr diesen Barley Wine auch probieren wollt, hier könnt ihr ihn kaufen.

Alkoholgehalt: 16,5%

(4/5)




2015

Mein bieriges 2014

Ende Dezember, es ist allerorten Zeit für Jahresrückblicke jedweder Art. Da darf ich natürlich nicht fehlen und lasse die letzten 12 Monate aus bieriger Sicht wieder kurz Revue passieren.

Auch 2014 war wieder von Streitereien Diskussionen über die Begrifflichkeit “Craftbeer” wie auch über das Reinheitsgebot geprägt. Dabei habe ich vor allem bei letzterem das Gefühl, dass das Theater um diese urdeutsche Vorschrift mit herannahen des 500. Jahrestages intensiver und ausfallender wird. Geschürt wird dies unter anderem auch durch Äußerungen Dritter wie dem bayerischen Brauerbund, die gerne auch “Brauspezialitäten” – also Biere jenseits des Reinheitsgebots – vom Markt verschwinden sehen würden.

Craftbeer hin, Reinheitsgebot her – im letzten Jahr haben deutschlandweit einige neue Läden aufgemacht in denen man Biere und Spezialitäten beinahe jeder Façon bekommen kann. Ob Ingolstadt oder Kiel, ob Lager oder Wit – die Auswahl ist mittlerweile durchaus beträchtlich. Gleiches gilt für Bierfestivals die von Hamburg über Bochum bis Wien aus dem Boden sprießen und mancherorts aus allen Nähten platzen. Das Interesse an unserem geliebten Getränk wächst, die Menschen befassen sich mehr mit dem Inhalt ihres Glases – von den Rohstoffen über den Brauer bis hin zum Endprodukt. Es wird kritischer hinterfragt, ausgewählt und auch beim Preis ist man durchaus gewillt, mehr als 15 Cent für eine Flasche auszugeben. Toll!

Auch wenn “wir” – von Brauern bis Bloggern, von Konsumenten bis Sommeliers – über das Erreichte froh sein können, so müssen wir uns auch anstrengen um die gewonnen Inseln der Glückseeligkeit auch halten zu können. Allzu oft hört man von Streitereien zwischen Händlern, der Durst nach immer neuen Bierspezialitäten treibt so manchen (Craft-)brauer die Schweissperlen auf die Stirn und auch das Ausland hat den deutschen (respektiven europäischen) Biermarkt für sich entdeckt – anders ist die Offensive der Stone Brewing Company nicht zu erklären die in Berlin öffentlichkeitswirksam, anlässlich der Ankündigung des Baus ihrer deutschen Dependance, eine Palette Industriebier mit einem großen Steinbrocken zerschmetterten. Da stellt sich so manchen natürlich die Frage, ob wir in der deutschen Bierszene einen großen Player aus dem Ausland brauchen der den deutschen Markt mit seinem (sehr guten) Bieren aufmischen kann/wird – ich finde nicht.

Meckern kann man immer, schauen wir lieber zu den positiven Dingen. Dazu gehört auf jeden Fall auch wieder mein “Bier des Jahres”. Eigentlich war mir (und euch) seit der Braukunst Live klar, wer dies sein wird bis sich dies vor einigen Tagen änderte. Mein eigentlicher Favorit und jetzt Zweitplatzierte – das Müllerschoppe OARIS – musste sich dem Nøgne Ø / Mikkeller / Brewdog Horizon Tokyo Black geschlagen geben welches mich in Sachen Qualität und Geschmack sehr beeindruckt hat und ich euch unbedingt ans Herz legen möchte.

Alles in allem gesehen gab es auch 2014 wieder sehr viel gute Biere, auch wenn ich finde, dass die Qualität gerade mancher deutschen Erzeugnisse das Niveau vom Vorjahr nicht halten konnte. Zum Sommer hin hat man dann die Innovationsfähigkeit der deutschen Brauer gesehen, haben sie sich allesamt mit teilweise sehr guten Sommerbieren zu übertrumpfen versucht. Nachdem es dieses Jahr die leichten Ales waren, würde ich vermuten, dass 2015 das Jahr des Witbiers wird – mal sehen. Ansonsten habe ich das Wort “Drinkability” hassen gelernt, wird es hierzulande doch gerne verwendet um ein durchschnittliches IPA zu erklären. Einerseits könne man angeblich dem deutschen Biertrinker ja kein richtiges India Pale Ale zumuten da es viel zu intensiv und herb wäre. So kommt es dann, dass man es mit einigen halbherzigen IPA-Umsetzungen zu tun hat, die irgendwo auch als fruchtiges Weißbier-Pils durchgehen würden aber mit dem Stil nicht allzu viel zu tun haben. Vielleicht braucht es in Deutschland auch eine eigene Stilrichtung um diese Erzeugnisse zu umschreiben – ich weiß es nicht, ich weiß lediglich, dass einige dieser Biere schon nicht mehr auf dem Markt sind. Warum nur?

Insgesamt gesehen würde ich das vergangene Jahr als ein sehr erfolgreiches für die deutsche Craftbeer-Szene bezeichnen und wünsche mir, dass diese auch 2015 weiter natürlich und gesund wächst und man dabei das Augenmerk auf der Bierqualität hat. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch bei allen Blogger- und Brauerkollegen für den netten Austausch und die gute Zusammenarbeit und wünsche euch Lesern, Freunden und Followern einen guten Rutsch ins Jahr 2015.

Cheers!