Archiv für April, 2010
Tölzer Mühlfeldbräu Weißbier – Tradition reloaded
Verfasst von Daniel unter Bier: 5 Sterne am 17. April 2010
Vor vielen Jahren war Bad Tölz quasi gespickt mit Brauereien, die ihre Erzeugnisse in die Nahe Umgebung – vor allem nach München – verkauften. Mit der Zeit wurde eine Brauerei nach der anderen geschlossen oder “übernommen” mit der Konsequenz, dass bis zum Jahre 2008 kein Bier mehr in Bad Tölz gebraut wurde. So viel zur Vorgeschichte des Tölzer Mühlfeldbräu – kommen wir zum eigentlichen Thema: Das Bier!
Das Einschenken aus der Ein-Liter (!) Flasche gestaltet sich nicht sonderlich kompliziert – schließlich wird man von einem bernsteinfarbenen Trunk mit weißer Krone belohnt. Der leicht cremige, feinporige Schaum hält sich passabel an der Oberfläche. Nebenbei steigt einem auch schon der intensive, leicht nussige Duft in die Nase bei dem einem schlagartig klar wird: Hier kann sich so manche Brauerei eine Scheibe von abschneiden.
Naturgemäß halte ich es bis zur Verkostung nicht länger aus und freue mich über die ersten Tropfen, die ihren Weg über meine Zunge suchen. Was einem sofort auffällt ist die sehr zurückhaltende Kohlensäure welche man quasi kaum bemerkt. Der Erste Eindruck des Aromas bestätigt sich beim probieren: es schmeckt sehr malzig und voll. Der Hopfen geht geschmacklich eine perfekte Symbiose mit dem nicht aufgrindlich süßen Malz ein und ist kaum rauszuschmecken – für Freunde herberer Biere ist dies wohl eher nichts. Auch der Alkohol hält sich dezent im Hintergrund was einen aufgrund des eher geringen Alkoholgehalts nicht wundern muss. Auch nach mehreren Schluck bleibt der sehr volle Geschmack erhalten den man auch noch einige Augenblicke nach dem Trinken auf der Zunge hat. Dies ist eines dieser typischen “Trinkbiere” – man kann einfach nicht aufhören bis das Glas endlich leider leer ist.
Alles in allem ist dies einfach ein sehr gutes Weißbier, mit leichten Abzügen im Alkoholgehalt, welches ich gleich hinter der Hopf Spezial Weiße einordnen würde. Da es hier aber um den Geschmack und nicht um den Rausch geht gibt volle fünf Sterne und die Bitte nach Bad Tölz: Macht daraus doch mal einen Weißbier-Bock!
Bleibt noch zu sagen, dass – und das wird euch jetzt nicht gefallen – es dieses Bier nicht im Handel zu kaufen gibt. Ihr müsstet euch daher wohl oder übel nach Bad Tölz ins Gasthaus bewegen. Dort wird das Bier exklusiv ausgeschenkt und kann dort auch in besagter Falsche erworben werden. Möglicherweise kann man aber mal bei der Brauerei anfragen – der Shop ist ja in Vorbereitung.
Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot.
Alkoholgehalt: 4,8%
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Einbecker Ur-Bock Hell – Der Bock der Böcke
Verfasst von Daniel unter Bier: 3 Sterne am 15. April 2010
Letzte Woche fand eine Flasche des “Ur-Bock” vom Einbecker Brauhaus den Weg in meinen Kühlschrank. Es handelt sich hier augenscheinlich um den Vater der heutigen Bockbiere und wird heute immernoch nach überlieferter Rezeptur gebraut. Na dann mal los.
Ein vertrauer Geruch verlässt die Flasche gleich nach dem Öffnen, erinnert er mich doch sehr an das Flötzinger Märzen – ein Erster Pluspunkt für das Bier aus Niedersachen (Danke fürs Mitbringen, Kurti). Es riecht lecker frisch und fruchtig und meine Neugier steigt – Zeit zum probieren.
Nach einer kurzen Betrachtung des weißen Schaums, der sich recht schnell aufgelöst hat, kommt es zum Ersten Schluck. Die Kostprobe fällt entgegen meiner Erwartungen relativ unspektakulär aus. Es ist ein solides Bier mit einer guten Hopfennote, die sich gleich zu Beginn bitter auf die Zunge setzt. Die vom Duft suggerierte Süße und Süffigkeit vermisse ich leider total – auch nach der halben Flasche will so recht keine wirkliche Trinkfreude aufkommen. Lediglich die angenehme Hopfennote begleitet einem beim Leeren der Flasche, veschwindet aber nach jedem Schluck wieder sofort.
Die Stärke des Tranks, immerhin 6,5%, schmeckt man nicht direkt heraus – hier spielt der Hopfen seinen Trumpf aus da er durch seine Bitterkeit den Alkohol ziemlicht gut verdeckt. Man denkt, man hat es hier mit einem etwas geschmackvolleren Hellen zu tun und nicht mit einem Bock. Das mag für manch einen ganz angenehm sein, ich erwarte mir aber etwas mehr Aufdringlichkeit.
Nichts desto trotz ist der Ur-Bock das beste norddeutsche Bier, dass ich in den letzten Jahen getrunken habe. Für mich muss ein Bock jedoch auch wie ein Bock schmecken und in einer angemessenen Flaschengröße verkauft werden – 0,3 ist (für mich) zu wenig.
Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot.
Alkoholgehalt: 6,5% vol