Archiv für Juni, 2010

Kitzmann Weißbier – Gibts noch Schlümpfe in Erlangen?

Ein Franke in Bayern? Zugegeben – so selten ist das nicht. Umso besser, wenn derjenige einen mit frängkischen Bierspezialitäten versorgt (merci Alex). Den Anfang macht heute das durchaus bekannte Kitzmann Weißbier. Kitzmann…Kitzmann…da war doch was? Achja..Erlangen – klar, J.B.O. besingt das doch immer! Na dann kann es so schlecht nicht sein…oder doch?

Vom Aussehen her ist klar: Das ist ein Weißbier. Keine Experimente mit braunen oder roten Tönen – orange-gelblich trüb mit festem, schneeweißen und langhaltenem Schaum. Kann der Franke am Ende doch Bier brauen?

Vom Geruch her ist das Bier recht neutral. Man erkennt leichte Hefenuancen – begleitet von etwas undefinierbaren, ganz leicht modrigen. War wohl zu lang im Brauereikeller. Der Erste Schluck verwundert einen dann doch ein wenig. Es ist wenig intensiv, sehr sanft und ausgeglichen. Durchaus erfrischend aber etwas lasch – die Kohlensäure ist kein Thema. So ein wenig erinnert es mich an ein leichtes Weißbier welches ich mal getrunken habe. Leicht bitter breitet sich der Nachgeschmack aus, wirkt dabei aber nicht aufdringlich.

Trotz der Tatsache, dass es sich hierbei um ein sehr sanftes Bier handelt welches sicherlich kein Geschmacksüberflieger ist muss ich eins einräumen: Es ist extrem süffig. Ich habe selten ein Weißbier erlebt, welches man so schnell heruntertrinken kann. Nach jedem Schluck greift man beinahe automatisch wieder zum Glas um selbiges innerhalb kürzester Zeit zu leeren. Bei mir hielt es ganze vier Minuten. Ziemlich gefährlich das Ganze – gerade, da Kitzmann irgendwo unter diesem Deckmantel der Leichtigkeit noch 5,6 Volumenprozent Alkohol versteckt hat die man bei dieser Trinkgeschwindigkeit recht schnell im Kopf spürt.

Alles in allem ein gut trinkbares Weißbier welches ich wieder trinken würde – jedoch nur, wenn ich danach nicht Auto fahren muss. Geschmacklich hier definitiv noch viel Luft nach oben.

Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot

Alkoholgehalt: 5,6% vol.

2 Kommentare

Hacker Pschorr Animator – Der Animalische

Malzbier. Das war der Erste Gedanke der mir nach dem Öffnen der Flasche des Animators von Hacker Pschorr kam. Würde man es nicht besser wissen so könnte man vermuten, dass man gleich einen halben Liter süßes, alkoholfreies Gesüff in sich schüttet. Doch weit gefehlt – der Animator spielt in einer ganz anderen Liga.

Dies wird einem beim Probieren bewusst. Der Bock schlägt hier mit aller Härte zu und rollt wie eine Dampfwalze über die Zunge. Dabei wird er von seiner zu reichhaltigen Kohlensäure begleitet, die einem den Genuß des Bieres gleich mal stark erschwert. Die Optik ist recht ansprechend – es glänzt rötlich-braun und wird von einer Schaumhaube mit sehr kurzer Halbwertszeit bedeckt.

Der Bock ist recht süß und ziemlich schwer, Spaß sieht anders aus. Es ist eher ein Boxkampf: Mann gegen Bock. Nur leider teilt der Animator einen Tiefschlag nach dem anderen aus gegen die man sich nur schwer wehren kann. Der Hopfen ist irgendwo im Hintergrund verschwunden, verdeckt von dem übermächtig süßen Malz der etwas säuerlich im Abgang schmeckt. Dieser Bock ist defintiv nichts für jedermann. Jede Runde im Kampf wird anstrengender, jeder Schluck eine Herausforderung – die Lippen kleben bereits von der extremen Süße. Aber ich werde mich bis zum bitteren Ende (leider nicht – es bleibt bei der Malzinvasion) durchkämpfen.

Ich könnte mich irren aber ich habe das Gefühl, als wäre der Animator früher nicht so extrem gewesen. Die Schwere, die Kohlensäure und auch die mangelnde Vielfalt im Geschmack sind drei Punkte, die mich hier keine gute Note vergeben lassen können. Es ist jetzt sicherlich kein abgrundtief schlechtes Bier doch ich komm damit nicht klar. Da bleib ich doch lieber beim Andechser Doppelbock dunkel.

Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot

Alkoholgehalt: 8,1% vol

Stammwürze: 19,3%

2 Kommentare

Schneider Weisse Original (TAP 7) – Was ist denn ein TAP?

Sommer, Sonne, Biergarten – was gibt es schönes? Zugegeben, im Moment schüttet es mal wieder in Strömen und es hat angenehme 11 Grad – nicht gerade perfektes Biergarten Wetter. Nichts desto trotz sollte einem das nicht die Lust auf die Schneider Weisse Original der Weißbierbrauerei Schneider & Sohn aus Kelheim verderben.

Sehr dunkel kommt es daher – eher unüblich für ein “normales” Weißbier. Umso besser passt die feinporige, weiße Schaumkrone dazu. Es verströhmt einen recht starken Duft – sehr malzig und frisch. Der Erste Schluck bestärkt den soeben gewonnen Eindruck. Es hat eine dezent herbe Hopfennote die sich nur im Abgang bemerkbar macht. Hier dominiert das Malz den Geschmack der einen durchaus an einen Weizenbock erinnert. Auch die Hefe ist zwar vorhanden, wirkt sich aber nicht sonderlich stark auf den Gesamteindruck aus. Das Ganze wirkt recht fruchtig und süffig mit einer ganz leichten säuerlichen Note. Die Kohlensäure muss man nicht erwähnen – diese hält sich sehr im Hintergrund.

Mit der Zeit dominiert die fruchtige Süße die einen noch bis zum letzten Tropfen begleitet. Ein schönes, ausgewogenes Bier welches sich geschmacklich irgendwo in der Mitte zwischen einem hellen und einem dunklen Weißbier befindet (mich erinnert es ein wenig an das Hopf Spezial). Süffig und kraftvoll – bei diesem Gerstensaft ist es kein Wunder, dass es die Brauerei (und dieses Bier) bereits seit 1872  gibt. Meiner Meinung nach könnte es lediglich eine Spur stärker sein um auch seinem Geschmack gerecht zu werden.

Übrigends: Wer sich fragt, was es mit “TAP” auf sich hat, hier meine Vermutung: TAP kommt aus dem Englischen und steht für “anzapfen”. Die Zahl ist wohl eine interne Nummerierung dieser Sorte.

Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot

Alkoholgehalt: 5,4% vol

Schneider Weisse Tap7 im Shop.

(4/5)

3 Kommentare

Andechser Doppelbock Dunkel – Der Alltags-Bock

Wenn wir schon bei den Mönchen sind bleiben wir doch auch am besten dort. Zu den bekanntestn Bierbraugeistlichen gehören mit ziemlicher Sicherheit die Brüder von der Klosterbrauerei Andechs. Und um deren dunklen Doppelbock geht es heute.
Das güldene Etikett lässt einen von vorne rein vermuten, dass man es mit etwas besonderem zu tun hat. Darauf zu sehen ist der Klosterberg mitsamt Kloster (in dessen Biergarten ich es immernoch nicht geschafft habe).
Enorm malzig steigt es einem nach dem Öffnen in die Nase was dem Bierkenner signalisiert: Achtung, das wird heftig. Und der Eindruck täuscht nicht. Kräftig und süß macht sich der Trunk auf der Zunge bemerkbar und wird von einer sanften Hopfennote untermalt. Ganz klar, hier steht das Malz im Vordergrund was der Doppelbock auch gar nicht zu kaschieren versucht. Bereits nach den Ersten paar Schluck wird es einem warm ums Herz und man fühlt sich doch irgendwie in den Biergarten versetzt: A Schweinshaxn bittsche!
Zurück zum Bier. Es ist sehr weich und mild – vom Alkohol merkt man im Endeffekt kaum etwas. Wieder eines dieser absolut runden Trinkbiere das man besser nicht unterschätzt.
Mit der Zeit, und das muss auch gesagt werden, wirkt es jedoch etwas zu süß. Gut, bei einem dunklen Doppelbock sollte man sich nicht über zu viel Süße beschweren – man hat jedoch streckenweise das Gefühl es mit einem Malzbier zu tun zu haben weshalb es mir fast ein klein wenig zu brav ist. Das aber nur am Rande – man gewöhnt sich schnell an diesen Umstand und kann sich dann an einem sehr guten Bier erfreuen. Figurbewusste sollten aber besser nicht täglich zu diesem Gerstensaft greifen.

Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.

Alkoholgehalt: 7,1% vol

,

3 Kommentare

Reutberger Weißbier-Bock: Der Mönch schlägt wieder zu

Und schon wieder hat der Mönch zugeschlagen. Diesmal ist es die Klosterbrauerei Reutberg deren Weißbierbock ich heute verkosten werde. Für Reutberger gilt im speziellen was ich bereits über Klosterbrauereien festgestellt habe: Man kann hier nichts falsch machen.

Fangen wir bei der Farbe an: Ein tiefes orangebraun – gekrönt von dem etwas groben, weißen Schaum. Es riecht fruchtig herb und richtig schön nach leckerer Hefe. Erste Hürde genommen.

Geschmacklick überrascht das Bier mit seiner unerwarteten Milde. Der gemeine Weißbierbock  geht normalerweise gerne etwas mehr zur Sache, nur hier merkt man vom Alkoholgehalt herzlich wenig. Der Gerstensaft gleitet sanft über die Zunge und hinterlässt einen leicht bitteren, süßen und hefig, malzigen Geschmack. Richtig lecker und macht Lust auf mehr. Die Kohlensäure, die sich für den ziemlich gewaltigen Schaum auf dem Bild verantwortlich zeigt, ist kaum zu merken und macht es einem noch einfacher, den halben Liter in kürzester Zeit zu vernichten. Dieser Eindruck verändert sich auch nicht bis zum Schluß – Gelungen vom Anfang bis zum Ende.

Im Grunde kann ich absolut nichts negatives an diesem Bier finden (davon abgesehen, dass es viel zu schnell leer ist). Lediglich könnte es etwas spritziger sein und die Fruchtigkeit etwas mehr betonen. Ich muss mir jedenfalls endlich mal nen Glas aus Reutberg besorgen.

Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot
Alkoholgehalt: 6,9% vol

,

1 Kommentar