Archiv für Februar, 2012
Oster Bierwichteln 2012
Verfasst von Daniel unter Allgemeines am 29. Februar 2012
Nachdem das Erste Bierwichteln zu Weihnachten des vergangenen Jahres so gut geklappt hat, gibt es die Neuauflage bereits zu Ostern.
Die freigeschaltete Anmeldung sowie alle wichtigen Informationen findet Ihr hier. Aktuelles Infos und auch Bilder wird es wieder auf der Bierwichteln Facebook-Seite geben. Ich hoffe mal, dass wir den aufgestellten Rekord von 32 Wichtlern brechen werden.
Die Anmeldung ist diesmal bis zum 25.03.2012 23:59 Uhr möglich.
Viel Spaß!
Leikeim Premium
Verfasst von Daniel unter Bier: 3 Sterne am 28. Februar 2012
Das Wort “Premium” stößt bei mir nach wie vor übel auf. Ob es einen Grund gibt, weshalb Biere nach Pilsener Bauart gerne mit diesem Superlativ geschmückt werden? Das Leikeim Premium stammt aus der fränkischen Weltstadt Altenkunstadt welche man zwischen Kulmbach und Coburg findet. Dieses Pils passt damit also wunderbar in meine “fränkischen Biertestwochen”.
Das filtrierte Bier ist von hellgelber Farbe und kommt in einer praktischen Bügelverschlußflasche daher dessen Aufmachung mich jetzt nicht unbedingt vom Hocker haut. Unter dem feinporigen Schaum deutet sich ein säuerlich-süßer Geruch an der von würzig-rauchigen Aromen begleitet wird bei denen ich mich allerdings frage, ob mir meine Nase hier einen Streich spielt.
Gut, die Nase hat mich hier nicht fehlgeleitet. Beim Ersten Schluck kommt tatsächlich ein leichter Rauchgeschmack mit wie ich ihn von den bisher getesteten Rauchbieren her kenne. Anders als bei diesen Bieren kommt dieser Geschmack bei diesem Pils aber vermutlich eher vom Hopfen (aus Spalt und der Hallertau) als von geräucherten Braumalzen. Anders als erwartet ist es nicht gar so herb sondern eher mild und hat einen kräftig-würzigen Körper welcher bereits jetzt eine gewisse Vollmundigkeit aufbaut. Im Geschmack erkennt man Nüsse und viel Getreide. Das ist keines dieser Pilsener, die einen erst mit sanft-süßlichem Duft anlocken und einem dann das Hopfenmesser in dem Rücken treiben – Nein. Hier wurde bewusst auf einen kräftigen Geschmack gesetzt dessen Herbe zwar die Süffigkeit etwas einschränkt aber dennoch nicht zu stark ausfällt.
Auch die Kohlensäure ist hier zu stark geraten wodurch man etwas gebremst wird. Wenn man sich, wie so oft, an die geschmacklichen Eigenarten gewöhnt hat, lässt sich dieses Pils recht locker trinken. Im Nachgeschmack ist es mir jetzt ein wenig zu bitter was man aber verschmerzen kann. Das Leikeim Premium eckt hier und da an, beweist damit aber Charakter. Daher entlasse ich dieses Pils mit sehr guten drei Punkten aus meinem Test und freue mich, seit langem ein Pils getrunken zu haben von dem ich sagen kann, dass ich es durchaus wieder kaufen würde. Leikeim – I like it.
Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.
Stammwürze: 11,4%
Alkoholgehalt: 4,9%




(3/5)
Oechsner Hefeweizen Hell
Verfasst von Daniel unter Bier: 3 Sterne am 27. Februar 2012
Letztens beim Durchstöbern eines Bierversands ist mir das Weißbier der Privatbrauerei Oechsner aus Ochsenfurt (wundert einen bei dem Namen jetzt nicht wirklich) ins Auge gefallen. Ruck zuck mitbestellt und heute schon im Testlabor.
Aus dem Glas duftet es hefig und recht frisch. Das Bier ist von einer satten, gelben Farbe die ganz leicht in Richtung orange geht was auch zu dem feinen, weißen Schaum passt. Selbiger ist zwar recht cremig aber beweist keine besonderen Steherqualitäten. Schade.
Den Antrunk würde ich in Erster Linie als “interessant” beschreiben. Es hat eine gewisse Säure welche mit dem Schluck mitschwingt und von einem herb-süßlichen Geschmack begleitet, der einen entfernt an Mirabellen erinnert. Eine gewisse Fruchtigkeit ist gegeben, jedoch überwiegt hier die eben erwähnte sauer-bitter Mischung. Der Abgang ist süßlich aber von der Fülle her etwas enttäuschend da ihm hinten raus die Luft ausgeht. Die Kohlensäure ist deutlich warnehmbar und mir etwas zu krass.
Zur Mitte hin hat man sich an den exotischen Geschmack gewöhnt und kann sich jetzt etwas mehr auf die Details konzentrieren. Etwas Honig kann man jetzt erahnen – die angemerkte Mirabelle ist nicht mehr so dominant wie anfangs. Die Säure ist weiterhin vorhanden und verhilft dem Bier zu ungeahnter Süffigkeit was aber auch nicht über die kleinen Schwächen im Geschmack hinweg täuschen kann. Es ist ok und vor allem im Sommer sicherlich erfrischend – im Moment reichts bei mir für knapp drei Sterne.
Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot.
Alkoholgehalt: 5,2%




(3/5)
Gutmann Hefeweizen Dunkel
Verfasst von Daniel unter Bier: 4 Sterne am 25. Februar 2012
Nachdem sich vor kurzer Zeit das helle Weißbier der Brauerei Gutmann aus Titting im Test behauptete und sich keine Blöße gab, gibt es heute das dunkle Pendant. Ob es sich lohnt, auf die dunkle Seite der Macht des Biers zu wechseln wird sich gleich zeigen.
Daher kommt das Bier in einer typischen Bierflasche (wenn mir die Gebinde-Experten den Namen verraten würden…) welches mit einer dunklen Variante des Etiketts des hellen Weizens beklebt ist. Der Geruch ist sehr angenehm, malzig, säuerlich und mit dezenter Hefe gespickt. Der samtfeine, leicht dunkle Schaum passt perfekt zu dem dunkelbraunen Antlitz des Bieres.
Im Ersten Eindruck kann dieses Bier mit einer bananig-süßen Note punkten welche hier ausgeprägter ist als bei seinem hellen Bruder. Der Malzgeschmack ist voll, erinnert an Karamell und Johannisbeeren und wird von einer kaum auszumachenden Hopfennote begleitet. Im Abgang ist es recht mild und hinterlässt eine säuerliche Note auf der Zunge. Es wirkt bei weitem nicht so schwer wie andere Vertreter seiner Zunft mit dem kleinen Nachteil, dass das Malz nicht gar so ausgeprägt ist wie ich es erwarten würde.
Die Süffigkeit ist in Ordnung, sie leidet jedoch ein wenig unter der zu stark dosierten Kohlensäure. Ich schwenke das Glas daher etwas und lasse das Bier kurz zur Ruhe kommen bevor ich den Test weiterführe. Vorteil des Ganzen: Der Schaum ist bombastisch. Feinporig, standhaft und vor allem lecker. Nach der kleinen Pause verursacht das Weizen ein besseres Mundgefühl und lässt sich weitaus besser trinken. Nuancen von Honig und ein leichtes Räucheraroma stechen jetzt hervor und sorgen für eine Geschmacksparty auf der Zunge die aber leider ein wenig zu kurz ausfällt.
Summa summarum finde ich das dunkle Weißbier von Gutmann sehr lecker mit Abzügen für die Kohlensäure. Daher gibts von mir vier Sterne nach Titting.
Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.
Alkoholgehalt: 5,2%




(4/5)
Tucher Christkindlesmarkt Bier
Verfasst von admin unter Bier: 1 Stern am 24. Februar 2012
Besser spät als nie ist die Devise beim Christkindlesmarkt-Bier von Tucher welches ich beim Sortieren der Testwarteschlange gefunden habe. Tucher selbst kommt aus Nürnberg weshalb man gedanklich sofort die Brücke zum Christkindlesmarkt in der genannten Stadt schlägt. Ob ein Weihnachtsbier auch zu nicht-weihnachtlicher Zeit schmeckt, wird dieser Test zeigen.
Golden strahlt das Bier aus seinem gläsernen Gefängnis und bedeckt sich lediglich mit einer feinporigen aber leider nicht standfesten Schaumhaube. Wenn es denkt, sich so vor meinem Zugriff schützen zu können, hat es sich geirrt. Das Märzen verströmt dabei einen säuerlich-fruchtigen und sehr angenehmen Geruch – warum gibt es blos kein Bier-Parfum?
Eigentlich hab ich mich auf den Antrunk gefreut, selbiger fällt allerdings sehr wuchtig und kantig aus. Eine fast undefinierbare Geschmackswand hat sich hier aufgetan welche man nur mit sehr viel Mühe überwindet. Es hat eine etwas zu übertriebene Bitterkeit sowie ein sehr unruhiges und unvollkommenes Malz was dazu führt, dass sich kein besonders gutes Mundgefühl einstellt. Im Abgang sind zwar Anzeichen von Süffigkeit – bedingt durch eine starke Honignote – zu erkennen, dies kommt jedoch zu spät. Man tut sich echt schwer, dieses Bier rutner zu trinken. Trotz größter Anstrengungen habe ich das aber nur bis zur Hälfte des Glases geschafft – mehr gibt dieses Bier nicht her.
Tut mir Leid aber diseses “Festbier” schmeckt mir absolut nicht und ich sehe keinen Weg, wie ich zweite Hälfte runterkriegen soll. Zu kantig, meilenweit von vollmundig entfernt – ganz klar: 1 Stern.
Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot.
Stammwürze: 13,3%
Alkoholgehalt: 6,0%




(1/5)
Schlenkerla Rauchweizen
Verfasst von Daniel unter Bier: 4 Sterne am 23. Februar 2012
Neben der Brauerei Spezial gibt es in Bamberg noch weitere Produzenten von Rauchbier. Dazu gehört auch die Brauerei Schlenkerla, die neben Rauchmärzen und co. auch ein Rauchweizen brauen. Ob man hier auch von einem Schinken-Weizen sprechen kann wird der folgende Test zeigen.
Was ein Geruch! Man hat das Gefühl einen ganzen Schwarzwälder Schinken vor sich liegen zu haben dessen Duft sich mit einem leichten Hefearoma verbindet und darauf drängt, tief in die Nase gezogen zu werden. Die Farbe des Weizen ist mahagonibraun – der äussert stabile und feine Schaum ist weißlich grau.
Der Antrunk ist rauchig-herb und ist sehr vollmundig. Manch einem mag der Rauchgeschmack erst etwas merkwürig vorkommen – ein Kommentar eines Dritten hierzu war “das schmeckt ja wie nen Aschenbecher”. Nach einer sehr kurzen Eingewöhnungszeit aber kann man das sanfte Bananenaroma der Hefe herausschmecken welches mit dem, über Buchenholz geräuchertem, Malz eine sehr leckere Mischung eingeht. Im Abgang wird der Hopfen etwas stärker und rundet das süffige Gesamtpaket ab.
Bei jedem Schluck schwingt eine leichte Süße mit, die ein perfektes Gegenstück zum Räucheraroma bildet. Selbiges kann man auch bei fortgeschrittenem Genuß immernoch durchschmecken. Zu viel CO2 hat dieses Bier auch nicht entwickelt was ob der guten Schaumbildung ein wenig merkwürdig ist – aber ich will mich nicht beschweren.
Ich werde durch dieses Rauchweizen langsam zum Rauchbierfan. Ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack aber wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat, will man dieses Bamberger Kleinod nicht mehr missen. Dafür gibts vier Sterne für ein tolles Bier!
Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.
Stammwürze: 13,2%
Alkoholgehalt: 5,2%




(4/5)
Zu beziehen bei der Brauerei Schlenkerla direkt. Das Rauchmärzen bekommt ihr auch bei Amazon.
Kanone hell
Verfasst von Daniel unter Bier: 4 Sterne am 22. Februar 2012
Aus Schnaittach in Franken hat mich das Kanone Hell der gleichnamigen Privatbrauerei erreicht. Hier freu ich mich besonders, da ich noch gute Erinnerungen an das Weißbier aus selbigem Hause habe.
Samtig weich thront der hellweiße und wohlriechende Schaum auf dem Bier, welches gelb mit rötlichen Einstichen aus dem Glas hervorscheint. Der Geruch ist kräftig, süß und erinnert an frische gepflückte Waldbeeren. Die Tatsache, dass dieses Bier aus einer praktischen Bügelverschlussflasche kommt, nehme ich wohlwollend zur Kenntnis.
Enorm würzig geht dieses Bier zur Sache und hinterlässt einen leicht gehopften und malzig süßen Nachgeschmack auf der Zunge. Es hat einen starken Charakter, punktet dabei aber mit leckeren Fruchtnuancen die sich bereits im Geruch angedeutet hatten. Es ist ein enorm süffiges und malzbetontes Bier dessen Kohlensäuregehalt genau richtig dosiert ist um das schnelle Leeren des Glases zu gewährleisten.
Zum Schluß hin kommt der Hopfen etwas intensiver rüber und der Nachgeschmack wirkt jetzt bitter-süß. Es ist schwer hier schnell die richtigen Worte zu finden – vor allem, wenn man das Glas so schnell geleert hat. Eines führt hier zum nächsten: Malzstark, süß und damit sehr süffig – ein ideales Trinkbier mit “Kraft und Würze” laut dem Etikett.
Die Brauerei Kanone macht hier durchaus alles richtig und kratzt mit diesem Hellen an der Bestmarke. Ein starkes Stück Franken verdient sich hier 4 gute Sterne.
Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.
Stammwürze: 12,3%
Alkoholgehalt: 5,1%




(4/5)
Brauerei Simon Weißbier
Verfasst von Daniel unter Bier: 4 Sterne am 21. Februar 2012
Das Weißbier, welches ich euch heute vorstellen will, kommt aus den Kupferkesseln der Brauerei Simon in Lauf an der Pegnitz. Ganze drei Sorten stellt die Privatbrauerei seit über 100 Jahren her. Mit im Programm ist da noch ein dunkler Weißbierbock sowie ein fränkisches Vollbier welche ich hoffentlich auch irgendwann mal probieren kann. Nun aber zum Weißbier.
Das Weizen hat eine ungewohnt dunkelbraune Farbe, ist mit einer leicht bräunlichen Schaumhaube gespickt und hat einen sehr hefigen und würzigen Geruch. Bis hier macht das Simon’sche Bier bei mir alles richtig.
Im Antrunk gibt sich das Gebräu keine Blöße. Der Erste Eindruck ist von der starken Hefe geprägt welche daraufhin Platz für ein würzig-süßes Malz macht. Die Hefe-Malz Mischung ist geschmacklich zwischen Bananen und Aprikosen angesiedelt und wird von einer milden Hopfung begleitet deren Alphasäure keine besondere Rolle spielt.
Anfangs hat mich die Kohlensäure etwas gestört, mit der Zeit aber ist diese größtenteils verflogen und macht dieses Bier doch noch recht bekömmlich. Später hin wird es leicht säuerlich und entwicklet eine gute Süffigkeit. Als kleines Gimmick hat sich auch etwas Resthefe am Boden abgesetzt was mittlerweile eher eine Seltenheit ist (ich kenn auch Leute, die haben ein Weißbier deshalb schonmal weggeschüttet!).
Mir gefällt das Weißbier aus Lauf ziemlich gut, bietet es doch eine gute Süffigkeit ohne dabei zu schwer zu wirken. Fruchtig und einfach lecker. Daher gibts für dieses Weizen 4 Sterne an die Brauerei Simon.
Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.
Alkoholgehalt: 5,4%




(4/5)
Hallertauer Hopfentrunk hell
Verfasst von Daniel unter Bier: 3 Sterne am 20. Februar 2012
Was liegt näher als ein Bier aus der Region der Hallertau “Hopfentrunk” zu nennen? So geschehen in der Brauerei Horneck, welche von sich selbst behauptet, die einzige Brauerei in Bayern zu sein welche all seine Rohstoffe selbst herstellt. Dafür hat man nebst eigenem Hopfengarten auch immernoch eine eigene Mälzerei in Betrieb. Ob sich das im Geschmack des Bieres auswirkt werde ich im nun folgenden Test herausfinden.
Unten goldgelbes und klares Bier, oben mittelporiger und schneeweißer Schaum. Der Duft ist ansatzweise hopfig und fruchtig aber nicht so intensiv wie erwartet – ja, der Name schürt durchaus Erwartungen.
Der Erste Eindruck ist durchaus positiv obwohl dieses Bier hier nicht den von mir erwarteten Character aufweist. Eine sanfte Säure bereitet den Weg für eine sehr milde Hopfen-Malzmsichung welche sich süßlich-frisch und mit einem Hauch Honig die Kehle entlang schlängelt. Ein etwas metallischer Geschmack fällt auf, dieser verschwindet aber dann mit dem dritten Schluck. Entgegen der bereits benannten Erwartungen ist dieses Bier keineswegs so stark gehopft sondern spielt eher mit einer subtilen Hopfennote die einen entfernt an Birnen erinnert und damit auch in keinster Weise herb.
Ich wollte eigentlich schreiben, dass ich von der allgemein sehr milden Abstimmung etwas enttäuscht bin, muss jetzt aber sagen, dass dieses Bier eine durchaus gute Süffigkeit besitzt was zu einer schnelleren Leerung des Glases führt. Kohlensäure ist so gut wie keine vorhanden, das Malz zwar im Ansatz würzig jedoch zu schwach auf der Brust woraus auch der relativ niedrige Alkoholgehalt resultiert. Mir ist das ganze ein wenig zu leicht und einfach geraten – gerade von der Hopfenbeigabe bin ich enttäuscht. Alles in allem aber dennoch ein gutes Trinkbier von dem man gern mal eins mehr trinken darf. Drei Punkte für den Hallertauer Hopfentrunk.
Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.
Alkoholgehalt: 4,5%




(3/5)
Reinheitsgebot als Innovationsbremse?
Verfasst von Daniel unter Allgemeines am 19. Februar 2012
“Gebraut nach dem Reinheitsgebot” – das ist der Satz, der gerade heutzutage so manchen Bierbrauer verzweifeln lässt und um den ein teils heftig geführter Streit entbrannt ist. Braucht man die einfachen aber strikten Brauregeln noch oder ist dies ein leidiges Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen? Dieser Frage möchte ich einmal nachgehen und auch meine Sicht der Dinge schildern. Aber beginnen wir am Anfang.
Die Entstehungsgeschichte dieser Brauordnung ist recht klar, die Gründe dafür sind jedoch mannigfaltig. So führten etwa Engpässe in der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung des mittelalterlichen Nürnbergs dazu, dass mittels eines Erlaßes die Bierbrauer angewiesen wurden, lediglich Gerste zur Herstellung von Bier zu verwenden. Auch gab es damals oft Beschwerden um gepanschtes und schlechtes Bier was dazu führte, dass mancherorts eigene Braugesetze erlassen wurden was letztendlich zu besagten Reinheitsgebot führte. Ich spare mir jetzt im Weiteren die genaue Entstehungsgeschichte und verweise auf die Wikipedia, die einen interessanten Artikel über die Entstehung des Reinheitsgebots hat.
Der Streit ums Reinheitsgebot
Nachdem man viele Jahrhunderte nach diesen Regeln Bier produziert hat – wobei sich so mancher Brauer sicherlich schon mehr Freiheiten gewünscht hat – ist in den 1950er Jahren der Erste “Krieg ums Reinheitsgebot” ausgebrochen. Im Detail ging es darum, ob Bier, welches nicht nach dem Reinheitsgebot (§9 Biersteuergesetz) hergestellt wurde, nach Deutschland importiert werden darf. Dieser Streit endete erst 1997 mit dem Ergebnis, dass Bier, welches nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde, als “traditionelles Lebensmittel” in der EU besonderen Schutz genießt.
Davon abgesehen tut sich gerade die im Trend liegende Craftbeer-Szene mit den mittelalterlichen Regeln schwer. Für alle Unwissenden: Bei dem sog. “Craftbeer” handelt es sich um Bier, welches nach handwerklichen Gesichtspunkten (und vor allem nach dem Geschmack des Braumeisters) erzeugt wurde um eine kleine – ich nenne sie mal “Gourmentkäuferschicht” – anzusprechen und mit dem Mainstream zu brechen (Einen interessanten Artikel dazu findet ihr beim Kollegen von lieblingsbier.de). Für diese experimentierfreudigen Braumeister ist das Reinheitsgebot natürlich ein Problem, da sie durch selbiges in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt werden. Da ist es klar, dass diese Szene vor allem außerhalb Deutschlands – ich nenne mal die USA als Beispiel – boomt.
Hierzulande sind zwar mittlerweile auch einige erfolgreiche Kleinstbrauereien am Start die alles andere als massenkompatibles Bier herstellen. Die Innovationsmöglichkeiten sind dennoch – verglichen mit den Möglichkeiten der Konkurrenz im Ausland – eher als gering einzuschätzen. Daher ist es logisch, dass größtenteils durch die Beigabe unterschiedlichster Hopfensorten bzw. durch das sog “Hopfenstopfen” der Geschmack des Bieres gesteuert wird. So ist beispielsweise eine Beigabe von aromatischen Tannentrieben, wie es die österreichische Privatbrauerei Trumer in ihrem Waldbier getan hat, in Deutschland nicht erlaubt.
Der Craftbeer-Szene gegenüber stehen die großen Brauerei, die unter Einsatz von modernster Technologie versuchen, ihr Bier immer weiter zu optimieren. Gerade die Rohstoffkosten spielen hier eine große Rolle, sind diese doch in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Eine starke Aufweichung oder gar Abschaffung des Reinheitsgebots würde nun unweigerlich dazu führen, dass diese Großkonzerne sich zum Zwecke der Kostenoptimierung immer weiter vom traditionellen Bier entfernen würden. Vorstellbar wäre z.B. der Einsatz von Hopfenaroma anstatt dem Hopfenextrakt (Hopfendolden sucht man da ja eh schon vergeblich) sowie anderen Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffen. Eine negative Auswirkung davon ist, dass der Preis dieser Biere aufgrund niedrigerer Herstellungskosten sinken würde was im Endeffekt all die kleinen und mittelständigen Betriebe spüren werden, die weiterhin auf natürlichere Zutaten sowie auf das handwerkliche Brauen setzen. Diese können entweder auf den Zug aufspringen oder versuchen, mit “Qualitätsbier” zu überleben. Man muss nun kein Hellseher sein um festzustellen, dass dies zu einer Konsolidierung im Biermarkt führen würde.
Für den Verbraucher hat es weiterhin den Nachteil, dass er unter Umständen nicht erkennen kann, was sich in seinem Glas befindet. Analog zu industriell (und leider auch immer mehr handwerklich) gefertigtem Brot etwa könnte es vom Gesetzheber erlaubt sein, dass beispielsweise dem Bier hinzugesetzte Enzyme nicht deklariert werden müssen.
Mein Fazit
Mir ist klar, dass ich mit diesen Worten die große Problematik höchstens tangiert habe. Klar ist aber auch, dass das Reinheitsgebot seine Daseinsberechtigung hat um das Naturprodukt Bier in seiner Form zu erhalten. Es wäre aber wünschenswert, wenn man dieses Gebot insoweit modifizieren könnte, als dass all die experimentierfreudigen Brauer in diesem Land ihr Erzeugnis problemlos als richtiges Bier auf den Markt bringen könnten. Mehr Vielfalt hat bisher noch nie geschadet. Was ich jedoch nicht will ist Wasser mit Biergeschmack. Natürlich – niemand zwingt einen diese Produkte zu kaufen, jedoch wird im Endeffekt der Standardkonsument darunter leiden. Und das wäre sehr schade für das “Bierland Deutschland”.



