Die Antwort auf #craftgate

Wie ihr hier nachlesen könnt, habe ich ja am Sonntag einen Leserbrief bezüglich eines Artikels im Fine-Magazin geschrieben und heute tatsächlich eine Antwort des Autors bekommen. Da der Autor jedoch darauf bestand, dass der Inhalt nicht veröffentlich wird (was ich respektiere), kann ich euch nun den Inhalt nicht 1:1 wiedergeben. Ich kann euch soweit aber sagen, dass es ein angenehmer Dialog war bei dem auch versöhnliche Worte bezüglich des Artikels und der allgemeinen Einstellung gegenüber Craftbeer gefallen sind.

Allerdings hat der Austausch aber auch ein generelles – jedoch nicht neues – Problem offenbart: Die Schwierigkeiten mit der Definition von „Craftbeer“.

Ich werde hier nun nicht schon wieder eine Diskussion über genau diesen Punkt beginnen, dennoch halte ich es für sehr wichtig, dass man eine allgemeingültige Definition findet um mögliche Verwechslungen oder Umdeutungen zu verhindern. Nicht zuletzt hierzulande wird ein IPA als Synonym für Craftbeer gesehen was immer wieder zu Mißverständnissen und Falschdeutungen führt und letztendlich auch solche Artikel begünstigt. Man kann den Leuten hierbei auch nur bedingt einen Vorwurf machen, sich nicht genügend informiert zu haben. Wo hätten sie sich denn informieren sollen? Wer könnte Craftbeer erklären, ohne dass es dafür eine allgemein gültige und akzeptierte Definition gibt? Begünstigt es die Szene durch eine mangelde Klarstellung nicht sogar, dass Artikel wie der gezeigte so sind wie sie sind?

Diese Diskussionen über das leidige Thema „Craftbeer“ hat in den vergangenen Wochen an diversen Schauplätzen abgespielt, Brauereien wie auch Blogger haben sich, teilweise recht ausgiebig, zu der Thematik geäußert und ihre Meinung kund getan an die ich mich jetzt einfach mal anschließe. Ich sehe diese Thematik ähnlich wie Felix, habe aber eigene Vorstellungen wie die „Craftbeer-Thesen“ ausehen sollten. Daher nehme ich jetzt mal die von BrewDog entworfenen Gebote samt den Erweiterungen von Felix und dichte meinen eigenen Senf dazu.

Die Craftbeer-Gebote

Eine Craftbeer Brauerei:

1. ist klein
Braut weniger als 500.000 hl im Jahr

2. ist authentisch
a.) braut alle ihre Biere nach festgelegter Stammwürze
b.) Benutzt kein Reis, Korn oder andere Zusätze um Geschmack zu verringern und Kosten niedrig zu halten
c.) Benutzt keine technischen Hilfsstoffe zur Stabilisierung oder Filtration (z.B. PVPP)

3. ist ehrlich
a.) Alle Inhaltsstoffe sowie Maßnahmen zur Haltbarmachung (z.B. Pasteurisierung) werden klar und eindeutig auf dem Etikett angegeben
b.) Es steht eindeutig auf dem Etikett wo das Bier gebraut wurde.
c.) Alle Biere werden in Craft Breweries gebraut (Felix Zusatz: dazu gehören keine „Versuchsbrauanlagen“ von Großkonzernen)

4. ist unabhängig
Nicht mehr als 20% dürfen von einem Konzern besitzt werden, welcher selbst keine Craft Brewery betreibt.

5. ist sozial
Eine Craft Beer Brauerei setzt sich für ihre Mitarbeiter und die Nachbarschaft ein, für den Ort, für die Stadt. Sie ist verwurzelt in die Gemeinde und trägt einen wichtigen Teil zum Zusammenhalt bei.

6. ist fair
Es geht ums miteinander und nicht ums gegeneinander – Anwälte und Gerichte sollte nur der allerletzte Schritt zur Durchsetzung von Rechten sein (z.B. Markenrecht wie man es ja bei #fritzgate sieht).

Anders als Felix sehe ich einen „Zwang“ zur Erzeugung von jährlich immer neuen Biere – darunter dann auch nicht-traditionellen Biersorten – für nicht notwendig, denn was die Brauerei braut soll den Braumeistern überlassen bleiben. Niemandem ist geholfen, wenn diese auf Gedei und Verderb ein IPA oder einen Stout produzieren nur um diese Voraussetzungen für den „Craftbeer-Aufkleber“ zu erfüllen.

Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Blogger, Brauer, Sommeliers und Bierfreunde konstruktiv mitwirken würden und es vielleicht wir sind, die diese Definitionslücke endlich schließen. Und was den Artikel angeht: Für mich ist die Sache erst einmal gegessen.

5 Gedanken zu „Die Antwort auf #craftgate“

  1. Es wird keine saubere Definition für craftbier geben. Es ist einfach zu unscharf. Ich würde lifestyle, der ja genauso schwer zu fassen ist stärker beachten. Da wo Bierkultur ist, ist Craftbier. Was ist Bierkultur? Für mich war es eine wirklich herausragende Erfahrung, in einem Bierkeller in Oberfranken unweit Bamberg zu sitzen und nach dem ersten Bier verlangte es mich nach einem Zweiten und ich sagte zum Bierausschenker (man musste sich das Bier selbst holen), dass ich gerne von dem anderen Bier in den Steinkrügen hätte. Darauf bekam ich die Antwort, das sei das gleiche, es gebe heute nur 1 Bier. Aber manche Leute würden ihr Bier lieber aus dem Steinkrug trinken als aus einem Glas. Ich finde das Kultur pur. Der Bierkeller macht das Maximum aus seinem einen, absolut leckeren Bier, man kann sich das Glas / den Krug raussuchen. Das IST auch Kultur.

    Von einer größeren Brauerei (z.b. brewdog) die in einer Großstadt ausschenkt, erwarte ich mehr, anderes, da erwarte ich mehr Zapfhähne und mehr Bierstile. mehr Internationalität.

    Wie will man das alles in eine Definition packen?

    Craftbier ist auch, wenn man über das Bier spricht. Ein gutes Bier, ein Bier mit Charakter fordert einen dazu auf, dem Nachbar das Glas unter die Nase zu halten und zu sagen, probier mal, was meinst Du?

  2. Zu 1: Craft bedeutet Handwerk, es an der Größe festzumachen ist schwer. Ob nun bis 500.000 hl oder darüber, niemand rührt die Maische mehr mit der Hand. Aus dieser Sicht ist es egal, ob ich ein qualitativ hochwertiges Bier in großer oder kleiner Menge braue.

    Zu 3c: Auch hier sehe ich keine Probleme, wenn das Bier im Lohnbrau hergestellt wird. Viele Existenzgründer sind auf Grund der hohen Anfangskosten darauf angewiesen.

  3. Der Versuch, den craftbeer-Begriff griffig zu fassen, kann eigentlich nur scheitern. Es soll ja das Produkt Bier für Konsumenten beschreiben. Wird Craftbier anders, ab dem 500.001tausendsten hl? Wird unweigerlich das Bier schlechter, nur weil ein Kleinbrauer seine Braustätte an einen Konzern verkauft? Und ist mein Bier nur deshalb kein Craftbier, weil die Brauerei schwerpunktmässig esportiert und mit seiner Region nichts am Hut hat? Ist doch alles quatsch! Craft ist für mich eine Lebenhaltung, die vorallem mit der Liebe zum Bier zu tun hat. Dazu gehört auch Ehrlichkeit und Authenzität, aber auch Pioniergeist, Kreativität, Mut und viel Nähe!

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