Braukunst-Live 2015 – Quo Vadis?

Es ist wieder soweit, die Braukunst-Live öffnet vom 6. bis 8. März wieder ihre Pforten – erneut (vielleicht zum letzten mal) an der altbekannten Location im MVG-Museum in München. Der Besucher wird sich wieder an einer Fülle an Ausstellern erfreuen dürfen- angefangen bei alten und bekannten Größen wie Braufactum, Schneider-Weisse oder Lammsbräu bis hin zu Neulingen wie z.B. Braukraft, die Bierzauberei, Craftwerk, Tilmans Biere und noch viele andere. Auch an Bieren wird von Gose über IPA bis hin zu fassgelagerten Stouts wieder alles dabei sein, was das Herz (oder der Magen) begehrt. Auch an den Kritikpunkten der vergangenen Jahre wie z.B. die Toilettensituation oder auch die mangelnde Zeit für Fachbesucher wurde gearbeitet. Man darf sich also – wieder einmal – auf die wohl führende Biermesse Deutschlands freuen – oder?

Irgendwie hat bloggen ja durchaus auch einen journalistischen Teil weshalb ich es jetzt nicht dabei belassen möchte, einfach nur die im Vorfeld rumgereichte Pressemitteilung mit meinen eigenen Worten hier online zu stellen sondern möchte diese Stelle nutzen, um von der aktuellen Craftbeer-Situation in Deutschland ein paar Rückschlüsse auf das Festival zu ziehen.

An die großen Premium Partner wie Pilsner Urquell oder Hofbräuhaus mit ihren recht ausladenden Ständen hat man sich ja mittlerweile gewohnt (auch wenn der Besucherandrang – respektive des Ausbleiben des solchen – im Gegensatz zu anderen Ständen immer Bände sprach). Auch, dass die Aussteller rotieren ist für eine Messe/Festival (ja was denn eigentlich) nichts ungewöhnliches – im Gegenteil, kann man sich so ja auch auf immer neue und andere, spannende Biere freuen. Jedoch hört man, wie schon die Jahre davor auch, so einiges im Vorfeld.

Es werden wohl einige bekannte Gesichter der deutschen Craftbeer-Szene dieses Jahr höchstens noch vor den Ständen im Getümmel zu finden sein als hinter selbigen. Dafür werden andere, die das Jahr davor noch recht – sagen wir „rebellisch“ – aufgetreten sind, dieses Jahr (wieder) einen eigenen Stand haben und auch wird es mehr Craft-Ableger großer, etablierter Brauereien geben. Dazu kommen auch weitere Vertreter von US-Brauereien, sei es Urban Chestnut (die ja gerade in Wolnzach ihren Deutschland-Ableger aufbauen) oder auch andere die z.B. am neuen Stand von Bier-Deluxe auftauchen werden.

Alles an sich natürlich kein Grund zur Panik, jedoch spiegelt diese Entwicklung sehr schön die Entwicklung in der noch sehr jungen, deutschen Craftbeer-Szene wieder. Craftbeer wurde und wird gerade als Markt entdeckt. Es werden Vertriebspartnerschaften zwischen kommerziellen Größen und Gypsy-Braueren geschlossen. Etablierte und mittlerweile große Craft-Brauer wie auch ausländische Hersteller (dabei stehen derzeit US-Brauer im Vordergrund) drücken sich in die Regale der deutschen (Bier)händler und werden – über kurz oder lang – kleinere und unbekannte Biere mancherorts verdrängen. Zwangsläufig. Warum? Nun, massenkompatible Craftbeere (und ja, davon gibt es eine ganze Menge) lassen sich einfach abverkaufen – genau so wie bekannte Marken. Warum sollte ich mir unbekannte Biere in den Kiosk stellen wenn ich Biere bekannter Labels dank der Nachfragen nach eben diesen viel besser verkauft kriege?

Ebenso wenig besteht ein Zweifel daran, dass Craftbeer Mainstream wird – eine Entwicklung, die sich noch vor 2 Jahren einige von uns gewünscht haben und nun doch wieder sehr kritisch beäugt wird. Was wurde noch vor Jahren gejubelt, wenn irgendwo ein Hopfenstopfer Citra Ale aufgetaucht ist, während heutzutage mittlerweile schon in den PrimeTime-„Nachrichten“ im Privatfernsehen über die „neuen Craftbiere“ berichtet wird und man höchstens noch die Nase darüber rümpft, dass es sich hierbei um Braufactum handelt und nicht den kleinen, sympathischen Biersieder von nebenan. All das muss man dann wieder in einen Bezug zur BKL setzen. Wird Craftbeer Mainstream, so wird es auch die Messe sein (ok, für manch einen von euch ist die BKL das schon seit Anbeginn) – schließlich möchte man mit den beliebten Bieren ja auch viele Fans erreichen um letztendlich auch das Festival sicher finanzieren zu können. Ich gehe natürlich davon aus, dass es auch in Zukunft Stände kleiner Brauer geben wird, ich gehe aber ebenfalls davon aus, dass das Gros der Aussteller über kurz oder lang große, bekannte Marken sein werden die sich aus den kleinen Anfängen entwickelt haben. Gut für die Brauer (oder Marketing-Firma hinter dem Namen), gut für die Messe, gut für den Konsumenten – aber wird es auch gut genug für den „Aficionado“ und die Bierkultur sein? Man weiß es nicht.

Quo vadis? Kleine Craftbeer Marke oder eine große? Kleiner Brauer oder große Firma? Regionale/Nationale Messe oder Internationales Festival? Wo die Reise schlussendlich hingeht, wird niemand sagen können – ich bin mir aber sicher, dass 2015 ein sehr spannendes und interessantes Jahr für die Craftbeer-Bewegung sein wird und letztendlich auch den Weg der zukünftigen Braukunst-Live aufweisen wird.

Auf ein schönes Festival!

 

Fotos und Rückblicke zu den letzten Jahren:

 

2 Gedanken zu „Braukunst-Live 2015 – Quo Vadis?“

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