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Stiegl Smoked Baltic Porter

stiegl_smoked_baltic_porterPünktlich zu Brausilvester haben die Brauereien Stiegl und Maisel & Friends zwei Kollaborations-Biere vorgestellt. Entgegen des Pressetextes ist dies zwar nicht der erste „deutsch-österreichischen Collaboration-Brew“, wir wollen uns jedoch nicht mit solchen Belanglosigkeiten aufhalten. Vorstellen möchte ich euch heute das Smoked Baltic Porter, dem wohl dunkleren und komplexeren der zwei Biere. Mal sehen, wie es im Vergleich zum letzten Bier dieses Stils bei mir im Blog abschneiden wird…

Pechschwarz steht das untergärige Gebräu im Glas und emittiert dabei rauchgeschwängerte Aromen von gerösteten Nüssen und Schokolade. Der feinporige, beige-braune Schaum rundet den optischen Eindruck ab.

Röstig-herb beginnt der erste Schluck. Das leicht holzige Raucharoma, welches man gleich zu Beginn in der Nase hatte, setzt sich hier im Geschmack fort und wird von Karamell und dunkler Schokolade flankiert. Dabei wirkt das Bier weitaus weniger süß als sein Kollege von vor ein paar Tagen, eher schlank und mit einer durchaus wahrnehmbaren Herbe versehen, welche zum Teil wohl auch von den dunkel gerösteten Malzen herrührt. Im Abgang kommt etwas Espresso hervor, es bleibt gut nachbitternd und recht adstringierend.

stiegl_smoked_baltic_porter_flascheEin richtig schönes, komplexes Malzbett haben die Brauer von Stiegl und Maisel da geschaffen, welches auch bei wechselnden Biertemperaturen jederzeit eine gute Balance hält und mit unterschiedlichen Aromen punkten kann. Dazu kommt eine, für diesen Stil, recht gute Trinkbarkeit und ein angenehm-weiches Mundgefühl. Vielleicht ist etwas zu viel Kohlensäure drin und der etwas zu starke „Aschenbecher“-Geruch in der Nase vermag leicht zu stören, ansonsten ist das Smoked Baltic Porter eine sehr feine Geschichte.

Spannendes, sehr gut ausbalanciertes Bier mit feiner Röstaromatik und elegant eingebundener Herbe. Von mir gibts hierfür heute vier Sterne – Prost!

IBU: 30

Stammwürze: 17,8%

Alkoholgehalt: 7,6%

(4/5)







BRLO Porter

brlo_porterÜber die Bedeutung der Marke habe ich ja bereits bei meinem letzten Test von BRLO referiert, ergo spare ich mir das diesmal. Interessanter wirds beim Bierstil, einem Baltic Porter, welches – anders als das eigentliche Porter – untergärig gebraut wird. Es wird also spannend zu sehen sein, ob sich das Bier stark von anderen, untergärigen dunklen Bieren unterscheiden wird. Gehen wir es an.

Rubinrot kommt das klare Bier daher, gekrönt von einem feinporigen, braun eingefärbten Schaum der allerdings keine allzu große Standfestigkeit beweist. In der Nase tummeln sich süße Karamellnoten, Haselnüsse, Nugat und Rosinen.

Der erste Schluck fällt ebenso süß aus wie es die Nase schon erwarten ließ. Dazu gesellt sich ein angenehmes, wenngleich auch nicht besonders ausgeprägtes, Röstmalzbett. Etwas Schokolade, viel süßer Karamell und Honig sind schmeckbar, werden aber von der Süße und dem Alkohol des Bieres überdeckt. Recht gehaltvoll wirkt dann auch der Abgang, schwer und süß, flankiert von einer leichten Herbe geht das schon in Ordnung.

brlo_porter_flascheWenn ich mir die Zutatenliste so ansehe, so bin ich der Meinung, dass sie sich das Pilsner Malz hätten sparen können. Münchner- oder Wiener-Malz als Basis, weniger Karamellmalz und dafür 1-2 Schippen mehr vom gerösteten Gerstenmalz – dann wäre hier schon weitaus mehr und komplexerer Geschmack möglich gewesen. So leidet das Bier ein wenig an seiner schweren Süße und der unpassend hohen Karbonisierung.

Nicht schlecht aber auch nicht weltbewegend – so ist mein Eindruck vom BRLO Baltic Porter. Daher gibt es heute drei Sterne.

Alkoholgehalt: 7%

(3/5)







Giesinger Craftig

Ein paar Tage sind nun seit der Presseveranstaltung des Giesinger Bräu aus München vergangen, genug Zeit um ein wenig über dort vorgestellten Biere zu reflektieren. Vorgestellt wurden dort, in angenehm ungezwungener Atmosphäre, die vier neuen „craftigen“ Spezialbiere der Münchner. Dabei handelt es sich um Bierstile, die man – zumindest im Raum München – eher selten zu Gesicht bekommt und die ich euch nun in einem, großen Artikel vorstellen möchte.

Die Sorten im Überblick:

– Lemondrop Triple (7,5%) – Belgian Style Tripel mit Trappistenhefe und der namensgebenden Hopfensorte „Lemondrop“

– Wheat Stout (4%) – Ein Dry-Stout mit hohem Weizenmalzanteil und gleichzeitig das leichteste der vier Sorten

– Baltic Rye Porter (6,7%) – Ein Porter der, wie der Name schon sagt, mit einem Anteil von Roggenmalzen gebraut wurde

– Doppelt Alt (7%) – Stark eingebrautes Alt-Bier, ein Stil der hierzulande leider immer noch etwas verpönt wird

Also, es steht etwas Arbeit an. Beginnen wir gleichmal mit dem Lemondrop Triple.

Im Glas macht das Tripel seinem Stil alle Ehre, trüb, gelblich bis bernsteinfarben strahlt es aus seiner Behausung. Im Geruch ein frisch fruchtige, zitronige Note mit einem Hauch Trauben und Orangen.

Der Antrunk fällt weich aus, fruchtige Hopfennoten von Limonen und Orangen wechseln sich mit einem ordentlichen, leicht keksigen Malzbett ab. Dazu gesellt sich (sofern man den Bodensatz einschenkt) eine ordentlich phenolische Hefenote die das fruchtige, malzbetonte Bier fein abrundet. Unerwartet herb es geht in den Abgang, es wirkt jetzt etwas schlanker und kann eine gute Trinkbarkeit aufbauen. Die Karbonisierung empfinde ich als recht angenehm, insgesamt könnten die Geschmacksnuancen aber gerne noch weiter herausgehoben werden – etwas mehr vom Lemondrop und das wäre richtig großes Kino…so reicht es aber „nur“ für 4 Sterne. Ob das Wheat Stout gegen diese Hopfung ankommen kann? [4/5]

Rötlich glänzt das Licht durch das bräunlich-schwarze Bier welches mit einem beigen, cremig texturierten Schaum bedeckt ist der mit seiner Standfestigkeit punkten kann. In der Nase gibt es einen Hauch von Kaffee, es schwingt aber auch ein wenig Asche mit was mir nicht so gefällt. Der Start fällt dann recht trocken und von Röstaromen dominiert aus, Kaffee mit etwas Zartbitterschokolade dominieren den Eindruck das etwas dünnen Bieres (Nur etwas mehr als 11 % Stammwürze!). Geschmacklich macht es aber dennoch einiges her, die Herbe stimmt auch und so stellt sich auch hier eine recht gute Trinkbarkeit ein. Diese lässt zum Schluss zwar etwas nach, dennoch gefällt mir das Bier recht gut (gerade vor dem Hintergrund, dass es bei uns eh kaum gute Dry Stouts gibt). Für dieses Stout gibt es von mir 4 Sterne, weiter geht es mit dem Baltic Rye Porter. [4/5]

Die Brauer unter euch kennen vielleicht die Problematiken mit denen man kämpft, sobald man alternative Getreide wie z.B. Roggen einsetzt. Auch beim Giesinger blieb man nicht verschont und so wurde das Läutern des Porters eine mehrstündige Geduldsprobe, nach etwa 8 Stunden wurde das Läutern dann abgebrochen und man kam nicht ganz auf die angepeilten Stammwürze von etwa 20%. Seis drum, im Glas gefällt mir das ölig wirkende, beinahe schwarze Gebräu mit seiner feinen, bräunlichen Schaumhaube sehr gut. Im Antrunk kommen – erwartungsgemäß – Schokoladen- und Karamellaromen auf, es wirkt etwas teigig (wie Schokokuchen vor dem Backen) und hat eine Spur von Pflaumen und Trockenobst mit dabei. Dabei baut es eine durchaus gute Süffigkeit auf, die leichte Süße mit dem brotigen Eindruck leistet hier ganze Arbeit. Auch die Hopfenbittere darf nicht fehlen, sie kommt erst beim Abgang ins Spiel und lässt das Porter etwas schlanker und bekömmlicher wirken. Eine runde Sache, hätte aber noch aromatischer und stärker sein können – 4 Sterne. Last but not least, das Doppel-Alt. [4/5]

Das zweitstärkste der vier Sorten kommt ebenfalls in einem schwarzen Gewand daher, der Schaum fällt allerdings nicht so schön und stabil aus wie beim Porter. In der Nase gibt es vereinzelte Röstaromen mit getrockneten Pflaumen und Aprikosen sowie etwas Karamell und – leider – ein leichter Klebstoffgeruch (ich tippe auf zu viel Ethylacetat). Der Antrunk fällt dann aber wieder versöhnlich aus, karamellig sowie mit etwas Brot versehen läuft das runde, starke Altbier erstaunlich schnell über die Zunge. Ich würde mir dabei etwas mehr Herbe wünschen. Bisweilen wirkt der Körper sogar etwas arg dünn, dies spielt aber der hohen Trinkbarkeit in die Hände. Als bekennender Altbier-Fan muss ich allerdings sagen, dass es nicht wirklich meinen Geschmack trifft und knapp an den 3 Sternen vorbei schrammt – daher nur 2 Sterne. [2/5]

Mit „Licht und Schatten“ könnte man das Fazit der Querverkostung beschreiben. Mutig ist es allemal, solche Bierstile auf einen Markt zu werfen, der im Moment mit IPAs und Pale Ale überfrachtet wirkt (zumindest verhältnismäßig) und stellt daher auch eine willkommene Abwechslung dar.

Bleibt noch zu sagen: Merci für die Veranstaltung und die Kostproben….und als Hinweis am Rande an Chef Steffen Marx: Bringt den Sternhagel ruhig auch in 0,3 raus.

Prost!

Zötler Braukunst Schwarzer Ritter von Rettenberg

zoetler_braukunst_schwarzer_ritter_von_rettenbergDer Name meines heutigen Testbieres mag ein wenig sperrig klingen, wie auch schon beim ersten Bier auf der Braukunst Reihe der Privatbrauerei Zötler aus Rettenberg steckt hinter dem Namen eine Geschichte. Die Details dazu erspare ich euch nun aber (ihr könnt sie hier nachlesen) und kümmere mich lieber um das Bier. Es handelt sich hierbei um einen Baltic Porter, einen Bierstil den man bei uns noch sehr selten bekommt und den ich erst einmal reviewen konnte. Die Vorfreude ist also groß – los gehts.

Leider ist der ockerfarbene bis bräunliche Schaum auf dem kastanienbraunen Bier nicht allzu standfest, eine schöne Figur hat er mit seiner feincremigen Textur aber durchaus gemacht. Im Duft finden sich röstige Noten, brauner Zucker, Melasse, etwas Karamell und Zartbitterschokolade.

Der Antrunk ist etwas schwer zu definieren. Es geht recht süßlich zu, eine handvoll Röstaromen von Vanille und Kakao tummeln sich im Geschmack, Milch und Kandis mischen sich dazu und sorgen für einen vollen aber recht süßen Körper. Die Malzaromen erinnern beinahe an ein Malzbier eines bekannten deutschen Herstellers. Zum Abgang hin kommt etwas Herbe auf und das Bier läuft weich und aufgeregt über die Zunge.

zoetler_braukunst_schwarzer_ritter_von_rettenberg_flascheEtwas zu hoch ist die Kohlensäure ausgefallen, andererseits ist es vielleicht ganz gut so denn ansonsten würde die schwere Süße den Geschmackeindrucks zu sehr dominieren. Natürlich ist die Süffigkeit dementsprechend hoch was das Bier durchaus gefährlich wirken lässt. Im Trinkverlauf kommen mehr Röstnoten hoch, der Kaffee-Schokoladeneindruck überwiegt und rundet den malzig-süßen Genuß ab.

Der schwarze Ritter vom Rettenberg ist ein gutes Bier, obgleich es mir viel zu süß wirkt. Es hätte ruhig höher vergoren werden können und wäre somit etwas knackiger geworden. Das Gebräu aus dem Hause Zötler kratzt ganz knapp an den vier Sternen vorbei und bekommt derer drei.

IBU: 45

Alkoholgehalt: 7,7%

(3/5)







Kreativbrauerei Kehrwieder Imperial Black Prototyp

kreativbrauerei_kehrwieder_imperial_black_prototypZum einjährigen Jubiläums ihres Erstlingswerks – den Prototyp – haben die Jungs der Hamburger Kreativbrauerei Kehrwieder einen Baltic Porter mit den Zutaten des Prototyps eingebraut – nur diesmal eben mit dunklem, böhmischen Tennenmalz. Davon abgesehen ist dieser Bierstil, im Gegensatz zum normalen, britischen Porter, eher unbekannt was mich nicht zuletzt neugierig auf dieses Bier macht. Los gehts.

Optisch ist dieses Bier schonmal ein Leckerbissen, dunkelbraun bis schwarz liegt es im Glas und bildet eine stabile, cremig texturierte Schaumhaube mit bräunlicher Färbung aus. Dort heraus duftet es floral nach dunklen Beeren und Früchten, ein wenig nach Kaffee sowie süßlichem Malz.

Im Antrunk geht das vollmundige Bier recht gediegen zu Werke, Aromen von frisch gemahlen Kaffeebohnen strömen zusammen mit etwas süßlicher Lakritze über die Zunge, ein Hauch schwarze Johannisbeere gesellt sich dazu und sorgt für einen leicht fruchtigen Gegenpart zu dem doch recht intensiven, leicht nussigen Malzkörper. Im etwas trocken wirkenden Abgang kommt etwas mehr Hopfenwürze in Spiel, leicht kräuterartig wirkt das moderat herbe Bier an dieser Stelle und wirkt irgendwie komplett anders als noch vor wenigen Augenblicken.

Erst eine leicht röstig-karamellige Malznote mit Kaffee, Süßholz und ein wenig Schokolade und dann ein würziger, floral-fruchtiger Hopfen mit einem langen Abgang und einer herb-trockenen Hinterlassenschaft im Mund – eine richtig leckere Mischung. Dabei ist das Bier stets optimal trinkbar und zeitweise sogar regelrecht süffig, der fein dosierten Kohlensäure sowie dem süßlichen Malzkörper sei Dank.

kreativbrauerei_kehrwieder_imperial_black_prototyp_flascheEin sehr interessantes und leckeres Bier – irgendwo zwischen einem Russian Imperial Stout, einem Porter und einem gestopften Dunklen – welches mich an den Weyermann Süßholz Porter aus Bamberg erinnert. Mir persönlich fehlt irgendwie noch so recht der allerletzte Kick weshalb der Imperial Black Prototyp ganz knapp an der Höchstwertung vorbeischrammt. Daher gehen vier sehr gute Sterne sowie die besten Glückwünsche heute von mir nach Hamburg.

Wollt ihr den Imperial Black Prototyp probieren? Hier könnt ihr ihn bestellen.

IBU: 40

Alkoholgehalt: 7,8%

(4/5)