Pilsner Urquell

pilsener_urquellNun, am vierten und letzten Tag meiner Braukunst-Live Testwoche, komme ich zum kontroverstesten Teilnehmer des Festivals: Pilsner Urquell. Im Vorfeld wurde seitens der „Bierszene“ und dem Veranstalter viel über den Umstand diskutiert, dass eine Größe wie Pilsner Urquell, die ihrerseits zum SABMiller Konzern gehört, zu einem Premium-Partner des Festivals werden kann. Es wurde viel über die Motive und den beginnenden Kommerz gesprochen und über die mögliche Zukunft der Braukunst-Live als von Großkonzernen gelenkte Veranstaltung. Ich befasse mich da aber lieber mit dem Bier und heute werde ich mal sehen, ob die Mutter des klassischen Pils vielleicht etwas mehr auf dem Kasten hat als man glaubt.

An der Farbe des Pils kann ich schonmal nichts aussetzen, präsentiert sich das Bier mit einer gold-gelben Farbe und einer ordentlichen, feinporigen Schaumhaube. Der Geruch ist, vergleichen mit den deutschen Pilsnern, viel intensiver und malziger. Außerdem kommt der verwendete Saazer Hopfen schön erdig und mildwürzig rüber.

Zum Start präsentiert sich das Pilsner Urquell ungewohnt vollmundig, malzig und übt sich bei der Herbe in vornehmer Zurückhaltung. Erst im Abgang wird das erdige Aroma vom Saazer deutlicher und sorgt für einen leicht bitteren aber keineswegs übertriebenen Abgang. Obwohl man auch bei Pilsner Urquell leider zum Teil Hopfenauszüge nutzt fehlt der Hopfenextrakt-Einheitsgeschmack deutscher Pilsner völlig was ich als sehr angenehm empfinde.

Eines muss klar sein: Beim diesem Bier handelt es sich natürlich nicht um ein langwierig (und exotisch) gestopftes Pilsner sondern um ein klassisches Bier mit würzigen Hopfenaromen und langer Tradition und als solches muss man das auch bewerten. Positiv fällt auch das sehr milde Wasser auf was sich als richtig gute Grundlage der leichten Malzsüße herausstellt die, so ganz nebenher, noch eine gute Süffigkeit erzeugt und so einen guten Gegenpart zu der am Schluss mehr durchscheinenden Hopfenherbe darstellt.

Das Pilsner Urquell ist mit seinem süffigen Charakter und seinem tollen Mundgefühl mein neues traditionelles Lieblingspils. Die Nutzung von Hopfenauszügen und das etwas fade Finish verhageln dem Pils zwar die volle Wertung, dennoch halte ich dieses Pils für eines der besten Biere in dieser Sparte. Vier Sterne.

Stammwürze: 11,75%

Alkoholgehalt: 4,4%

(4/5)







5 Gedanken zu „Pilsner Urquell“

  1. Diacetyl, nehme ich an. Sorgt für eine buttrige Note im Bier, die normalerweise ein Braufehler ist, bei böhmischen Lagern — und eben auch dem Pilsener — so soll.

    Und ich versichere, wenn die, wie angekündigt, ihr unfiltriertes, unpasteurisiertes (und nicht in grünen Flaschen abgefülltes…) Bier mitbringen, haben sich alle Diskussionen um Craft oder nicht Craft sofort erledigt. Ist sonst fast so selten wie Westvleteren, und auf seine Weise auch kaum weniger gut.

  2. Ja genau, Diacetyl, sorry. Um genau zu sein, wird Dia durch die Hefe immer ins Bier gebracht aber auch wieder abgebaut. Gilt fast überall auf der Welt als Fehlgeschmack. Aber für viele tschechische Biere ist es ein gewolltes Aroma. Ist süßlich in die Richtung von Butter. So lange das Bier recht kühl ist, kein Problem 😉 aber wenn man das Urquell mal auf Verkostungstemperatur bring…dann kommt es so richtig raus 😉

  3. Alles klar – ich war gedanklich ganz wo anders. Also das Diacetyl hat man bei dem „normalen“ nicht ganz so stark wahrgenommen und empfand es nicht als großartige erwähnenswert – im Vergleich dazu kam das Aroma von „frischer Butter“ in dem unfiltrierten Pilsner Urquell gestern auf der Braukunst-Live weitaus stärker rüber.

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